Vereinsamt
Friedrich Nietzsche
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. –
Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat!
Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist Du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. –
Weh dem, der keine Heimat hat.
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Dieses Gedicht ist der Auftakt meiner „Alte Meister“-Reihe, in der ich gelegentlich ein Gedicht präsentieren werde. Selbst unbegabt für die Kurzform, kann ich dem einen oder anderen Lyriker viel abgewinnen und wünsche mir, dass diese kleinen Kunstwerke nicht verschwinden.
Selbst hat mich „Kurt Schmidt statt einer Ballade“ von Erich Kästner am meisten berührt – weshalb die Kurzgeschichte „Kurt mit Ballade“ in meinem ebenfalls von Kästner inspirierten Sammelband „Kurzes Solo“ mit elf Geschichten über Einsamkeit entstand.
Falls das euer Interesse weckt, freue ich mich sehr über neue Leser!