Gruselgeschichte im Mittelalter
Anno 1260: Als ältestes Kind einer Fischerfamilie versucht sich Gereon allein auf den Straßen Cöllens durchzuschlagen. Doch besonders die Winter sind hart – da kommt ihm ein kleiner Handlangerauftrag gerade recht. Schnell stellt sich allerdings heraus, dass nicht nur seine Auftraggeber, sondern auch der Botenweg alles andere als geheuer sind …
Anno 1260
Wie schon der letzte, schickte sich auch dieser Winter an, besonders lang und kalt zu werden. Als ich vor etwas mehr als einem Jahr hergekommen war, glaubte sich meine Mutter zu erinnern, dass es mein 14. Winter sein würde. Es wäre beinahe mein letzter gewesen. Diesmal war ich besser vorbereitet und so standen die Aussichten, dass ich auch meinen 16. noch erleben würde, vielleicht nicht gut, aber sie waren vorhanden.
Ich schlängelte mich geschickt zwischen den alten Schuppen im ruhigeren Teil des Hafenveedels hindurch bis zu einer Reihe ausgemusterter Seilspindeln. Als ich die mannshohen Gebilde überklettert hatte, betrat ich mein Reich: Ein versteckter Hinterhof, gestampfter Lehm, gerade eine Pferdelänge im Quadrat, darin eine kleine Feuerstelle aus Steinen und ein riesiges Zwei-Fuder-Fass. Irgendwann einmal hatte es grünen Hering enthalten, nun diente es mir als Unterkunft. Nach einigen misslungenen Versuchen hatte ich es, mit Hilfe eines Balkens als Hebel, auf die Seite gelegt und konnte, obschon hochgewachsen, in der Öffnung mühelos aufrecht sitzen. Es war sogar groß genug, als dass ich zwei Handspannen unter der Decke ein breites Brett angebracht hatte, auf dem ich meine spärliche Habe lagerte. Meinen Stolz erregte jedoch vor allem der hintere Teil der Tonne.
Im vergangenen Winter hatte ich es auf der Lunge bekommen, beinahe hätte mich der Schnitter geholt, und der hartnäckige Husten war mir bis zum Sommer geblieben. Auch die Narben der Frostbeulen an meinen bloßen Füßen waren bis jetzt zu sehen. Also hatte ich, kaum dass ich mich wieder des Laufens fähig sah, zu sammeln begonnen, das ganze Jahr hindurch. Kleine Lumpen, Stofffetzen, Flachs, Fellstücke, Stroh, wenn es nicht verfault war. Und damit hatte ich mein Fass nach und nach gefüllt, bis es einer Siebenschläferhöhle glich und ich sicher war, dass ich darin auch die eisigsten Nächte überleben würde. So weit so gut. Nun musste ich bloß dafür Sorge tragen, nicht zu verhungern – leider fehlte mir noch jedweder Plan.
Als Vater mich vor anderthalb Jahren zu sich gerufen hatte, um mir zu eröffnen, dass ich würde gehen müssen, wusste ich weshalb. Seit zwei Sommern war die Ernte schlecht, es schien beständig nass, dunkel und kälter als in all den Jahren zuvor zu sein. Das an sich wäre vielleicht kein Problem gewesen, denn mein Vater war Fischer, so wie die meisten Männer in unserem Dorf. Ich half ihm schon, seit ich auf eigenen Beinen stehen konnte.
Doch die Bauern aus den Nachbardörfern konnten den Fisch nicht mehr bezahlen und behielten ihre rare Ernte lieber für sich – also hungerten auch wir. Ich war der Älteste, meine acht Brüder und Schwestern waren noch zu klein, um richtig zu arbeiten, und so war klar, dass ich aufbrechen musste. Mutter weinte, als ich bald darauf mein Bündel packte, so leicht, dass ich es kaum auf der Schulter spürte. Mein Vater hingegen schenkte mir sein altes Messer und meinte:
„Gereon, jon en der jroße Stadt, dort fings do secher Arbeid. Viel andere dun dat och. Jott sei met dir.“
Zumindest mit einem Teil davon sollte er recht behalten. Cöllen, die Stadt, von der er sprach, war gerade eine gute Meile rheinabwärts von unserem kleinen Fischerdorf Soretha gelegen. Sie war, den Gerüchten nach, weit über die Grenzen des Reichs hinaus bekannt. Wir gehörten demselben Sprengel unter Bischof Konrad von Hochstaden an, doch ich war noch nie zuvor dort gewesen. In den ersten paar Tagen in Cöllen hatte ich nur davonlaufen wollen und mich versteckt, denn es war mir vorgekommen, als sei ich direkt im Höllenpfuhl gelandet. Mein Geist schien zu platzen von all dem unfassbaren Lärm, vom Geschrei der Menschen und Tiere, Rufen, Gelächter, dem Knarren und Quietschen von Rädern und Kränen, den Kirchspielen, Gauklern und Handwerkern. Auch all die Menschen waren mir unerträglich – mehr, als ich in meinem ganzen bisherigen Leben zusammen gesehen hatte.
Nicht zuletzt war der Gestank unglaublich. Daheim war ich – wie jeder andere auch – in die Büsche oder aufs Feld gegangen. Hier jedoch lief der Driss Tag und Nacht in Strömen die Gassen entlang, dass es einem das Wasser in die Augen trieb. Anfangs hatte ich mich oft ans Ufer des Rheins geflüchtet, dessen Wellen und Wesen ich wie meine Hand zu lesen vermochte, doch selbst das Wasser war trüb und schmutzig, die Ufer überfüllt mit Menschen. Der Hunger hatte mir die Flausen rasch ausgetrieben. Denn leider musste ich sehr schnell feststellen, dass ich nicht der Einzige war, der hier sein Heil suchte. Bald begriff ich, dass es unglaublich viele wie mich gab, dass wir aus großen Teilen des Reichs voller Hoffnung zusammenkamen und nun im Kampf um Arbeit und Almosen rangen.
Ich hatte Glück. Gelegentlich konnte ich hier und dort aushelfen, vor allem im Hafen und auf dem Fischmarkt. Im Dorf hatten immer alle behauptet, dass ich schlau sei, aber ich konnte nicht gut reden. Nicht, dass ich stotterte, wie der kleine Düres vom Zehnthof, doch es fiel mir schwer, schöne, lange Sätze zu machen – aus meinem Mund wollte einfach nie kommen, was ich dachte. Hier allerdings kam es mir zupass, dass ich mich gut mit den Fischen auskannte und jeden Handgriff flugs zu tun wusste. Zur Belohnung bekam ich gewöhnlich einige Heller und manchmal auch zwei oder drei kleine Fischlein, die sich ohnehin nicht mehr verkauften. Doch damit war nun Schluss, es wurde zu kalt und der Rhein würde bald zufrieren. Dann trauten sich nur noch die Eisfischer hinaus, die ihren schmalen Fang selbst sortierten.
Nun hatte ich noch 14 Heller übrig – das würde nicht weit reichen. Letztes Jahr hatte ich es einige Male mit Betteln versucht, doch die Mädchen, die, die noch jünger waren oder die, denen ein Glied fehlte, bekamen das Gros. Ich mochte es ihnen gönnen, aber mein leerer Magen knurrte und unterm Gewand konnte ich alle Rippen fühlen. Ich wusste, ich musste meinen Kopf anstrengen und einen anderen Weg finden. Zu stehlen, wagte ich nicht, ich hatte welche aus dem Kerker kommen sehen, die waren noch dünner als ich und der Irrsinn stand in ihren Augen.
Gelegentlich half ich auf dem Vieh- und Tuchmarkt aus, doch dort gab es nicht oft zu tun, denn die meisten Händler brachten Knechte oder Gesellen mit. Heute hatte ich ein wenig Glück und auf einem Misthaufen einen alten Kohl gefunden – nachdem ich die faulen Blätter weggeschnitten hatte, blieb noch genug für eine Suppe übrig. Ich kroch in mein selbst gebautes Nest und suchte nach Schlaf, doch es dauerte, bis es mir endlich gelang, aufzuhören zu grübeln, und Gott meine Augen schloss.
In den nächsten beiden Tagen war mir kein so schöner Fund mehr vergönnt. Egal wohin ich ging, jemand hatte vor mir dieselbe Idee gehabt. Ich suchte, wie jeden Tag, die Hinterhöfe der Schlachter ab, um vielleicht einen Hühnerhals oder ein paar Füße zu ergattern – tatsächlich fand ich heute einen fast frischen Ochsenschwanz, den ich später auskochen würde. Danach kontrollierte ich noch meine Schlingen, ausgestattet mit alten Fischköpfen, in der Hoffnung, eine der hageren Katzen zu erwischen, die überall auf der Pirsch nach den Ratten waren. Das Schlingenstellen hatte ich schon als Kind gelernt und so groß unterschieden sich Katzen und Karnickel nicht – vor allem, wenn sie erst einmal im Topf waren.
Leider hatte ich keins der Viecher überlisten können und so setzte ich mich ein wenig frustriert auf ein Mäuerchen am Rande eines leeren Marktplatzes. Es war nicht so, dass ich das Hungern nicht von zuhause gewohnt war, aber so lange hielt ich es nicht aus, im letzten Winter war es unerträglich gewesen.
Wie sollte das bloß weitergehen, wenn es nun schon so schwer wurde und nicht einmal der erste Schnee gefallen war? Von meinem Platz aus konnte ich einen Blick auf den Bauplatz der neuen Kathedrale werfen – ein Gebäude, dessen Grundstein und erste rudimentäre Anlagen bereits so gewaltig auf mich wirkten, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie es einmal fertiggestellt aussehen würde. Eine Weile saß ich nur ruhig dort, scharrte mit den Füßen, genoss die letzten Strahlen der Sonne und sah ihr beim Untergehen zu. Ich hatte noch reichlich Zeit, denn die Stadtwache begann erst beim zehnten Glockenschlag ihre Patrouillen und warf jeden, den sie dann noch auf der Straße vorfand, vor die Tore oder in eine Zelle im Zeughaus.
Zwei Nächte hatte ich zu Beginn des Jahres dort verbracht. Nicht etwa, weil ich nicht um die Sperrstunde gewusst hätte, sondern weil ich auf eine Nacht, wärmer als der Tod, gehofft hatte. Die hatte ich bekommen, aber verwinden können hatte ich sie so schnell nicht. Durch den großen Anstieg der Einwohner und Durchreisenden Cöllens waren die eigentlich für Gefangene, die der Blutgerichtsbarkeit unterstanden, gedachten Türme überfüllt. Das Stöhnen und die tierischen Schreie der Gemarterten, die wegen schwererer Sünden in den benachbarten Zellen in Ketten lagen, gingen mir durch Mark und Bein. Noch wochenlang vernahm ich sie in meinen Träumen. Eine Wiederholung war nicht notwendig, da fror ich lieber.
Noch während ich nachdachte, spürte ich, dass ich beobachtet wurde. Unauffällig schielte ich zur Seite und bemerkte einen Mann in etwas schäbiger Kaufmannskleidung, der augenscheinlich einen Blick auf mich geworfen hatte. Irritiert wartete ich ab und tatsächlich rückte er ein Stück näher und sprach mich schließlich an:
„He, Lütter! Do sühß us, als könntest do wat en d’r Mage jebruchen.“
Damit hielt er mir ein großes Stück Speck hin, saftig, mit viel gelbem Fett am Rand. Ich riss es ihm aus der Hand und stopfte es als Ganzes in den Mund, bevor er es sich anders überlegen konnte. Mir war durchaus klar, dass er Arges im Sinn hatte, aber mit Speck lief es sich bedeutend leichter davon.
„Et weed jesaat, dat do jood klabastere kanns un flöck kraue?“
Beides war richtig, doch woher er das wissen wollte, war mir schleierhaft – ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen.
„Ich hätte do verleech Arbeid för dich … do könntest jenooch opsteche, öm üvver d’r Winter ze kumme, un verleech sujar noch mieh …“
Natürlich hörte sich das hervorragend an, natürlich wusste ich, dass es einen Haken haben würde, aber weil es eben verführerisch klang, blieb ich sitzen.
„Ich han en jode Auftrachjeber, zuverlässich, rich … et wären lediglich a pärche Botenjänge ze mache un de Schnüss dovun ze halde. Dat kannste doch, ne?“
Instinktiv nickte ich. Er schenkte mir einen wohlwollenden Blick, stand auf und drehte sich auf halbem Wege über den Platz noch einmal um:
„En dri Dagen bei Sonnenuntergang, he“, bevor er sich raschen Schrittes entfernte.
Verwirrt und misstrauisch blieb ich kurz sitzen, um meine Gedanken zu ordnen und zu sehen, ob er zurückkehrte. Nachdem das nicht der Fall war und zudem frostiger Wind aufkam, ging ich heim.
Am nächsten Abend besuchte ich die Messe. Eigentlich stand sie Menschen wie mir nicht offen, doch Pater Johannes hielt an jedem Mittwoch ein Armenamt, damit auch wir die Sakramente empfangen konnten. Ich war ihm dankbar, spendete es mir doch Trost, zumal er ein gütiger Mensch war, mit dem ich manchmal reden durfte, wenn ich Sorgen hatte. Gelegentlich ließ er die Schwächsten unter uns kleine Arbeiten ausführen, im Gegenzug erlaubte er ihnen, in der Pfarrei zu schlafen, und sie bekamen ein warmes Mahl. Ich empfing Blut und Leib Christi und überlegte, ob ich ihm wohl von der Begegnung erzählen sollte, ließ es jedoch lieber, als ich sah, wie viele andere bereits anstanden, um seinen Rat zu suchen. Zuvor hatte ich für zwei Heller Brot gekauft, einen großen Laib, hart genug zwar, um damit die Stadtmauer zu flicken, aber auch groß genug, um mich drei Tage lang satt zu machen.
Allen Bedenken zum Trotz saß ich zur ausgemachten Stunde an Ort und Stelle, wusste, dass es vermutlich eine dumme Idee war, hatte aber auch keine bessere. Die Sonne sank, meine Nervosität stieg und bald war ich sicher, dass er nicht mehr kommen würde. Doch dann stand er plötzlich vor mir und bedeutete mir mit einer knappen Handbewegung zu folgen. Ich tat mit klopfendem Herzen wie geheißen, es ging durch Gassen, Straßen und Schleichwege, bis es längst dunkel war – doch ich kannte die Stadt mittlerweile gut und verlor den Weg nicht. Die ganze Zeit über fühlte ich mich hin- und hergerissen, ob ich nicht doch einfach verschwinden sollte. Schließlich stoppten wir vor einer Treppe, die ins Souterrain eines großen Fachwerkhauses führte, unten öffnete sich eine Tür, in der mein Begleiter verschwand. Ich atmete einmal tief durch, nahm meinen Mut zusammen und folgte ihm in den matten Schein.
Mich begleitete der unwohle Eindruck, in mein Verderben zu laufen. Der Mann, dem ich gefolgt war, hatte sich als Ott vorgestellt, drinnen warteten drei weitere an einem wuchtigen Eichentisch. Allesamt starrten sie mich an, dass mir heiß und kalt wurde und ich gar nicht wusste wohin mit meinen feuchten Händen. Schließlich winkten sie Ott und mich heran und stellten mir, ehe ich mich versah, einen Krug Schwarzbier vor die Nase. Die Herren um mich herum waren deutlich besser gekleidet. Es war nicht schwer zu erraten, dass sie einem anderen Stand angehörten als ich und vielleicht nicht zur wohlhabenden Gesellschaft zählen mochten, aber doch ein gutes Auskommen haben mussten. Nach wie vor wurde geschwiegen und ich trank verunsichert einen kleinen Schluck Bier.
„Do bis Gereon?“, sprach mich der Rattengesichtige neben mir unvermittelt an.
Ich nickte, immer noch eingeschüchtert.
„Do sollst jet för m’r en der Stadt bränge, ohne dat et jümmes merkt. Do wirst vör d’r Toren de Naach afwade, dort wäde m’r et dir üvverjevve, domet do et ungesehen ze enem Treffpunkt bringst, häste verstande?“
Ich brauchte einige Momente, um nachzuvollziehen, was er wollte, doch auch danach verblieb ich in tiefster Verwirrung. Wie sollte das gehen? Wollten die, dass ich die Stadtmauer überkletterte? Vielleicht wäre ich dazu sogar in der Lage, doch was war mit den Wachposten? Und später natürlich die Stadtwache – unter keinen Umständen wollte ich mit Gott wusste was den unbarmherzigen Männern in die Hände fallen! Doch mein Gegenüber schien meine Bedenken zu erahnen.
„Do wirst dürch d’r alten Tunnel unger d’r Stadt gonn, nimmes weed dich blecke.“
Ich starrte ihn mit großen Augen an, noch nicht ganz fassend, was er da sagte.
„Wat es dat dann, dat ich mitnehme soll?“
„Dat muß do nit wesse.“
Eine Weile hockten wir alle stumm da, während ich spürte, wie mir das ungewohnte Bier zu Kopfe stieg. Draußen schlug es halb zehn, da stand Ott auf und wies mich zur Tür.
„Do bekommst jedes Ens drei Kreuzer, wann do ein Jang jemaach häs.“
Ich schluckte und gab mir Mühe, mir nichts anmerken zu lassen. Für die Männer dort am Tisch war das vermutlich nicht viel, für mich jedoch das Doppelte meines aktuellen Besitzes.
„Do häs bes morje Zick, dorüvver nachzudenken. M’r treffen m’r zor neunten Stunde vorm Porta Grecorum. Et wör nötzer för dich, wann do üvverein wärst …“
Vor allem dieser Nachsatz war es, der mir auf dem Heimweg Kopfzerbrechen bereitete. Ich schwankte ein wenig und fragte mich, ob es so bedrohlich gemeint war, wie es geklungen hatte. Vermutlich ja. Unabhängig davon hatte ich allerdings das Geld nötig. Bitter nötig. Und es hörte sich eigentlich weder kompliziert noch gefährlich an und auch nicht, als würde ich jemandem schaden, oder? Andererseits war mir der geplante Gang durch die Unterwelt suspekt.
Ich hatte schon von den alten Bauwerken im Erdreich gehört, ein wahres Labyrinth sollte dort verborgen liegen und es waren einige Gerüchte darüber in Umlauf – nicht wenige davon unheimlicher Natur. Wie tief war das überhaupt? Konnte man von dort aus möglicherweise versehentlich in die Hölle gelangen? Unsinn, schalt ich mich selbst, das mussten schließlich Leute gebaut haben, die würden wohl gemerkt haben, wenn sie zu nah am Höllentor gewesen wären. Trotzdem … Ich wälzte mich die halbe Nacht in meinem Fass, derweil mein Körper den knurrenden Magen in die Waagschale warf.
Natürlich war es in Wirklichkeit längst entschieden und so drückte ich mich tags darauf unsicher und frierend in der Nähe der Griechenpforte herum. Als ich schon glaubte, es sei alles ein Scherz gewesen, tauchte Ott wie aus dem Nichts auf, zog mich grob in ein Buschwerk und fuhr mich harsch an:
„Kanns do nit noch uffälliger sin?!“
Ich wusste nichts zu antworten und sah betreten zu Boden.
Die folgenden zwei Stunden verbrachten wir schweigend im Gebüsch. Die Kälte kroch mir Arme und Beine hinauf, ich wünschte mir einen so schönen, dicken Wollmantel wie der, den Ott trug. Bald war niemand mehr außer uns zu sehen, die verstreuten Häuschen lagen ebenso wie die Stadtmauer in tiefster Dunkelheit. Schließlich gab Ott das Zeichen zum Aufbruch.
Er führte mich im tranigen Licht einer Talglampe hinab zu einem Bachbett, um dort mühsam etwas zur Seite zu rollen, das aussah wie ein alter Mühlstein. Dahinter eröffnete sich ein pechschwarzes Loch, in das ich nun entsetzt hineinstierte.
„Do ren?!“
Er nickte. Mehr denn je hatte ich den Höllenschlund vor Augen. Andererseits sah ich im Winkel selbiger just in jenem Moment, wie Ott die Hand locker auf einen Dolch legte, dessen Knauf unter seinem Mantel zum Vorschein gekommen war. Unvermutet drückte er mir ein großes Gefäß in die eine, die Talglampe in die andere Hand und schob mich mit einem kräftigen Schubs hinein in den Schlund.
„De Wäch erkennst do ahn d’r Kohlestriche!“, hallte es mir hinterher, dann stand ich im Finsteren. Bloß das kleine Lämpchen hüllte mich in eine Blase schwachen Lichts. Ein Kokon trügerischer Sicherheit, so kam es mir vor.
Einige Minuten lang verharrte ich wie eingefroren vor Angst, wagte kaum einen Atemzug zu tun, um nicht auf mich aufmerksam zu machen, was auch immer da im Dunklen lauern mochte. Dann ließ die Furcht langsam nach und ich hob vorsichtig das Licht, um mir einen Überblick zu verschaffen. Der Boden unter mir war lehmig, ein kleines Rinnsal lief zwischen meinen Füßen Richtung Ausgang. Wände und Decke waren ebenfalls feucht und bestanden aus zum Halbrund gemauertem Stein. Eigentlich gar nicht so unheimlich, redete ich mir selbst gut zu.
Schritt für Schritt bewegte ich mich vorwärts durch den Gang und entspannte mich langsam, als da keine Bewegung außer meinem Schatten und kein Geräusch außer meinem raschen Atem wahrzunehmen war. Doch da, ein Laut! Panisch sah ich mich um – nichts. Geklungen hatte es wie ein Jaulen oder Wimmern. Sicher nur Wind, suchte ich mich zu trösten. Gab es hier Wind? Oder ein Tier. Ja, ein Tier war gut, bestimmt suchten irgendwelche Tiere hier Zuflucht vor der Kälte. Ich lief etwas schneller.
Anhand meiner Schritte schätzte ich, dass ich vielleicht eine Achtelmeile gelaufen war, als ich an die erste Abzweigung gelangte. Ein rußiger Strich wies mich an, nach links abzubiegen, was ich beruhigt tat. Nun traute ich mich zum ersten Mal, mein Transportgut genauer zu betrachten: Es handelte sich um einen bauchigen Tontopf oder –kübel, gerade noch so groß und schwer, dass ich ihn unter einem Arm zu halten vermochte. Ich musste eingestehen, dass ich außerordentlich neugierig war, was sich wohl darin befand, doch er war mit einem hölzernen Pfropf verschlossen und sorgfältig mit Wachs versiegelt worden. Schade.
Eine ganze Weile ging es so weiter, dann jedoch wurde der Tunnel immer enger, bis ich beinahe kriechen musste, um noch vorwärts zu kommen. Krampfhaft vermied ich den Gedanken daran, wie viel Erde und Gestein über mir aufgetürmt lagen. Als ich endlich ein kleines Gewölbe erreichte, atmete ich erleichtert auf. Quer mitten hindurch verlief eine tiefe Rinne voller stinkender Brühe, über die jemand ein Brett gelegt hatte – es war kein Vergnügen, über das morsche Holz zu balancieren. Ich bog hier und dort ab, die Decke wurde hoch und niedrig, es ging ein wenig hinauf und hinunter – bald schien es mir eine Ewigkeit, die ich in seltsamer Wanderung hier unten verbrachte, immer auf die kleinen Kohlezeichen vertrauend.
Dann aber erreichte ich eine ausgetretene steinerne Treppe, dahinter eine schwere Tür, die geöffnet wurde, kaum dass ich geklopft hatte. Als ich, endlich im Freien, in irgendeinem Hinterhof stand und den ersten Atemzug frischer Luft in meine Lungen sog, kam ich mir vor wie neugeboren.
Oben wurde ich bereits erwartet: Zwei Männer, von denen ich einen von dem abendlichen Treffen wiederzuerkennen glaubte, nahmen mir sogleich das Gefäß ab. Ich sah sofort, dass beide bewaffnet waren, und war mir unsicher, ob ich nun erleichtert sein sollte, es geschafft zu haben, oder mich eher fürchten. Doch da drückte mir schon einer der beiden meine Münzen in die Hand – an Ort und Stelle abmurksen wollten sie mich immerhin nicht. Trotzdem schien irgendetwas nicht zu stimmen.
Der Mond stand hoch am wolkenlosen Himmel. In seinem Licht konnte ich erkennen, dass die Blicke der Männer immer wieder nervös zu dem Loch sprangen, aus dem ich soeben gekrabbelt war. Worauf warteten die denn? Unwillkürlich starrte ich ebenfalls hinein. In dem Moment hörte ich sie – erfolglos leise – miteinander tuscheln:
„Wat, wann d’r andere widder nit kütt?“
„Verdammte Driss!“
Mir war das alles nicht geheuer, also drückte ich mich unauffällig Richtung Hoftor – besser für mich, ich hörte nicht mehr von dem Gespräch mit. In dem Moment packte mich eine kräftige Hand an der Schulter und zerrte mich unsanft zurück.
„Do blievs he!“
Erschrocken nickte ich und hockte mich still in eine Ecke – ich hatte zwar keine Idee, warum ich nicht gehen durfte, aber der vierschrötige Mann war einschüchternd genug, als dass ich ohne zu fragen gehorchte. Dort verharrend hörte ich den Schlag zur dritten Stunde, dann zur vierten und fünften, während meine Zehen langsam taub wurden.
Plötzlich – ich war ein wenig eingedöst und schrak nun heftig hoch – erklang ein lautes Geräusch aus dem Tunnel. Ein unmenschliches Stöhnen und Hecheln, bei dem mir angst und bange wurde. Für einen Augenblick dachte ich, die Toten kämen herauf, dass ich dort unten vielleicht zu nah an einem Gottesacker gewesen und sie gestört hatte. Auch die beiden Männer waren aufgesprungen, gleichzeitig nach ihren Waffen greifend.
Was dann allerdings zum Vorschein kam, war bloß ein Junge, dürr, kleiner als ich, das Gesicht blass wie eine Leiche, über und über mit Schlamm und – dem Geruch nach weitaus Ekelhafterem – beschmiert. Ich starrte ihn jedoch aus einem ganz anderen Grund an: Meine Haare waren hell, sie hatten den Ton reifer Gerste. Seine allerdings – die Strähnen jedenfalls, die nicht von Matsch verklebt waren – zeigten eine schlohweiße Farbe, nicht anders als der Mond. So etwas hatte ich bei einem Menschen meines Alters noch nie gesehen.
Er trug das gleiche Gefäß wie ich in den Händen, das ihm die beiden Männer nun abzunehmen versuchten. Doch er umklammerte es so fest, dass sie jeden Finger einzeln lösen mussten, zudem schien er sie nicht zu hören. Schließlich packte ihn einer und schüttelte ihn kräftig:
„Wat es loss?“
Der Kleine antwortete nicht, stotterte nur hastig:
„Se sin do … se sin emme noch do unge!“ – ein ums andere Mal wiederholte er das, doch keiner von uns verstand, was er meinte. Andererseits war ich mir für meinen Teil auch nicht sicher, ob ich das überhaupt wollte. In dem Moment riss sich der Junge los, stolperte zum Tor und stürmte hinaus, als sei ihm ein Schwarm Wespen auf den Fersen. Niemand versuchte, ihm zu folgen. Stattdessen befahlen die Männer nun auch mir zu gehen – eine Anweisung, der ich nur zu gerne nachkam. Kaum war ich auf der Straße, schlug es sechs. Ich machte mich verstört auf den Heimweg und schmiegte mich durchgefroren in mein Fass, doch es dauerte lange, bis ich einschlafen konnte.
Erst gegen Mittag wurde ich wieder wach, hatte allerdings immer noch das Gefühl, neben mir zu stehen, und kaufte erst einmal einen neuen Laib Brot. „En drei Dagen“, hatte mir einer der Männer zum Abschied mitgegeben und es hatte nicht nach einer Bitte geklungen. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob ich darauf eingehen oder mich nicht doch lieber eine Weile verstecken sollte.
Andererseits wusste ich nicht, ob ich eine Wahl hatte. Nicht nur wegen der Männer, auch, weil drei Kreuzer, so schön sie waren, mich nicht über den Winter retten würden. Eine Lösung fand ich an diesem Nachmittag nicht, stattdessen beging ich eine Dummheit: Ich stahl ein Ei aus einem unversperrten Verschlag. Das hatte ich bis jetzt überhaupt erst drei- oder viermal getan, egal wie hungrig ich war, denn ich wusste sehr gut, welche Strafen auf Diebstahl standen. Heute aber hatte ich einen solchen Appetit auf ein Ei gehabt – es war Monate her, dass ich eines gegessen hatte –, dass ich nicht widerstehen konnte, nachdem ich die unbeaufsichtigte Tür entdeckt hatte.
Als ich es später am Feuer gebraten genoss, war ich mir sicher, dass so das Essen im Paradies schmecken musste, von dem Vater Johannes gelegentlich sprach. Trotzdem war mir klar, dass ich dieses Risiko nicht wieder eingehen durfte, wollte ich alle meine Gliedmaßen behalten. Kurz: Ich brauchte das Geld aus den eigenartigen Aufträgen. Bevor ich dieses Mal einschlief, berührte ich vorsichtig einen der Kreuzer – ich hatte alle drei in einer Ritze zwischen den Dauben meines Fasses versteckt – und nahm mir vor, es irgendwie zu schaffen.
Also suchte ich zwei Tage später erneut den Treffpunkt auf und war diesmal klug genug, mich von Anfang an im Gebüsch zu verstecken. Nicht lang nach mir traf Ott ein, doch anstatt sich neben mich zu setzen, meinte er nur knapp:
„Häst do jood jemaach letztes Ens. Dismol geht’s woanders loss.“
Ich folgte ihm verwirrt und wir liefen eine ganze Weile in einigem Abstand an der Stadtmauer entlang Richtung Norden, nur um uns letztendlich in einem anderen Gebüsch zu verbergen. Zu meiner Überraschung führte er mich nach einer Zeit des Wartens jedoch in eine alte Scheune mit lang gezogenem, moosbedecktem Dach. Im Inneren räumte Ott einige Schütten Stroh zur Seite, bis eine Falltür zum Vorschein kam. Darunter eröffnete sich ein gähnend schwarzes Loch, eine Strickleiter lief hinab ins Nichts. Kaum war ich mit zitternden Knien unten angekommen, ließ Ott an einem Riemen erst die Lampe, dann den mir bereits bekannten Tontopf herab.
Anfangs unterschied sich dieser Gang kaum vom letzten Mal und ich sprach mir unterwegs beständig Mut zu, redete mir ein, dass es ebenso einfach werden würde – schon weil die Gänsehaut in meinem Nacken etwas ganz anderes vermittelte. Egal, ich würde es genauso machen wie zuvor. Doch ob ich wollte oder nicht, ich spürte zunehmende Nervosität sich meiner bemächtigen, die sich einerseits aus den Erinnerungen an den seltsamen kleinen Jungen und andererseits der Überlegung, was er wohl gesehen haben mochte, speiste.
Auch die veränderte Umgebung tat ihren Teil: Es gab bald wesentlich mehr Abzweigungen, sodass ich ständig auf die Zeichen achten musste, um mich nicht zu verlaufen. Erschwerend kam hinzu, dass es gestern und vorgestern geregnet hatte – der ganze Boden war voller Matsch, nicht selten musste ich waten. Selbst die Wände waren teilweise nass, ich hatte beständig Angst, dass eines der Zeichen weggewaschen worden war und ich heillos in die Irre lief. Daher bewegte ich mich nur langsam und unsicher vorwärts, war bald sogar überzeugt, mich tatsächlich verirrt zu haben, und kämpfte gegen die Angst an.
Die kleine Talgfunzel flackerte bedrohlich, es gab kein Licht, keine Zeit, keine Himmelsrichtung und kein Geräusch, das mir hätte helfen können. Oder doch? War da etwas? Augenblicklich stand ich still und lauschte. Irgendetwas glaubte ich wirklich zu hören, doch gerade so leise, dass ich mich nicht entscheiden konnte, ob es sich um Stimmen, Tiere oder doch bloße Einbildung handelte. Konnte es vielleicht von oben herunter tönen? Mir fehlte jedwede Idee, wie tief unter der Erdoberfläche ich sein mochte. Oder wo. Ängstlich lief ich weiter, bis ich eine neue Abzweigung erreichte.
Die kleine Zeichnung gebot mir geradeaus zu laufen, doch als ich in den seitlichen Tunnel blickte, sah ich gelbes Licht an dessen Ende schimmern. Fasziniert ging ich ein paar Schritte hinein, ich konnte es einfach nicht lassen. Ob hier unten wohl noch andere Menschen waren? Ich konnte mir kaum vorstellen, dass sich jemand freiwillig in dieser Unterwelt aufhielt. Oder wozu. Einem inneren Zwang folgend, trat ich noch ein wenig vor und sah, dass der Schein einem weiteren Tunnel entstammte, parallel zu dem, aus dem ich eben gekommen war. Ich hatte vielleicht die Hälfte hinter mich gebracht, als ein Schemen vor mir durch den Gang glitt. Wie angewurzelt blieb ich stehen.
Weitere folgten und während ich im Schatten vor ihnen verborgen blieb, konnte ich sie umgekehrt nun besser erkennen – es handelte sich um fast ein Dutzend fremdartig gekleidete Männer, Frauen und sogar Kinder. An irgendetwas erinnerten mich ihre Gewänder und Frisuren, ich war mir sicher, Derartiges schon einmal gesehen zu haben, doch ich kam nicht darauf, wo das gewesen sein konnte. Ähnlich erging es mir mit ihrer Sprache: Vage schien sie mir vertraut, manchmal glaubte ich sogar einzelne Worte zu verstehen, mehr allerdings nicht. Auf eine Art wirkte sie sehr altmodisch. Mehr noch zogen mich ihre Gesichter in den Bann – so voller Furcht und Verzweiflung, dass es mich zutiefst anrührte.
Noch während ich glotzte und rätselte, was ich da sah, hörte der Menschenstrom plötzlich auf und ich wollte mich schon umdrehen, um endlich wieder auf meinen eigentlichen Weg zurückzukehren. Dann aber tauchten neue Gestalten auf, diesmal im Laufschritt, mit Kurzschwertern bewaffnet und rotberockt in einer Art Uniform, die mir unbekannt war. Sie schrien, ihre Gesichter waren wutverzerrt und sie schienen den vorherigen zu folgen. Instinktiv presste ich mich fest an die Wand und hielt den Atem an – egal wer die waren, ich wollte ihnen keinesfalls begegnen. Erst als sie schon eine ganze Weile außer Sicht waren und ich keinen Laut mehr hörte, traute ich mich, zurückzukehren und weiterzulaufen.
Doch der Schrecken saß mir im Nacken, ich hätte den Finger nicht darauf legen können, was mich an dem Szenario so beeindruckt hatte, bloß, dass es mich mit tiefer Angst erfüllte. Vielleicht wegen des Hasses, den die Bewaffneten ausgestrahlt hatten. Den Rest der Strecke rannte ich beinahe, ungeachtet der schwierigen Bodenverhältnisse. Mehr als einmal stolperte ich, schlug mir Ellbogen und Knie blutig, bis ich endlich die mir schon bekannte Treppe erreichte und im Hof herauskam – offensichtlich führten mehrere Routen hierher. Außer Atem konnte ich es kaum erwarten, dem Mann das Gefäß in die Hand zu drücken – ich meinte, es sei derselbe wie zuletzt – bevor er auch nur einen Ton sagte. Ich war nur froh, es los zu sein, froh, das Tageslicht, sofern man es denn so nennen konnte, wiederzusehen und schwor mir innerlich, das hier nie wieder zu machen.
Nach wie vor konnte ich mir den Schrecken, der von diesen wenigen Augenblicken herrührte, nicht erklären, aber er ging mit dem intensiven Gefühl einher, etwas gesehen zu haben, das nicht für meine Augen bestimmt gewesen war. Und auch dem Eindruck, Glück gehabt zu haben, ja vielleicht sogar entkommen zu sein. Nein, definitiv wollte ich nicht noch einmal dort hinunter. Mir war jedoch auch klar, dass ich in Gesellschaft der beiden hartgesottenen Männer besser nichts dergleichen erwähnen sollte. Also strich ich die drei Kreuzer ein und wartete artig in einem Winkel darauf, dass man mir zu gehen gestattete.
Im Gegensatz zur mir sahen die beiden Männer heute deutlich entspannter aus. Sie rösteten irgendetwas verführerisch Duftendes über einem kleinen Feuer, tranken Bier und winkten mich bald zu sich heran.
„Lütter, do wolltest doch wesse, wat do dren es, ne?“
Ich war mir da längst nicht mehr sicher, befand es jedoch für klüger, zu nicken. Daraufhin tauchte er ein Stückchen Brot in einen winzigen Tiegel und reichte es mir grinsend. Ich aß gehorsam. Dann hörte die Welt um mich herum kurz auf zu existieren. Unwillkürlich setzte ich mich auf den Hosenboden, lutschte, schluckte, schnappte nach Luft. Die Männer lachten mich aus – ich musste vermutlich einen unfassbar lächerlichen Anblick geboten haben – doch mir war das in diesem Moment vollkommen gleichgültig. Ich hatte mich geirrt, was das Ei betraf: Das hier war das Paradies.
Irgendwann bekam ich wieder Luft.
„Wat es dat?“
„Hunnich“, lautete die schlichte Antwort. Natürlich wusste ich, was Honig war, doch dass er so schmeckte, hatte ich nicht geahnt. Die Männer waren augenscheinlich in Redelaune und erklärten mir, dass Honig, aufgrund der schlechten Ernten der letzten Jahre, streng rationiert worden war. Deshalb stand er nur noch wenigen Patriziern zu. Doch es gab wohlhabende Bürger und Kaufleute, die mit Honig versorgt werden wollten und über die Mittel verfügten, dies auch entgegen des Erlasses zu ermöglichen. Ich nahm das alles nickend und verwundert zur Kenntnis, hin- und hergerissen zwischen dem geradezu überirdischen Geschmack und den Dingen, die mich noch keine Stunde zuvor in Schrecken versetzt hatten.
Tags darauf streifte ich ziellos durch die Stadt, mit den Gedanken bei den Ereignissen der gestrigen Nacht. Ich konnte mir immer noch nicht erklären, was genau ich miterlebt hatte. Am Ende hatte ich mich allerdings entschieden: Ich würde mich eine Weile verstecken und den Männern aus dem Weg gehen. Bestimmt hatten sie auf Dauer Besseres zu tun, als einen auftragsunwilligen Fischerjungen zu suchen. Mir war durchaus bewusst, dass mir dabei einiges an Geld verloren gehen würde, doch das war mir immer noch lieber als bei dem, was auch immer da unten vor sich ging, mein Leben einzubüßen. Ich hatte nun einen guten Grundstock zusammen, ich würde den Winter schon irgendwie überstehen.
Zuvor jedoch besuchte ich noch einmal die Messe, denn Gottes Segen konnte ich zurzeit ganz sicher brauchen. Außerdem wollte ich versuchen, mit Vater Johannes zu sprechen, denn trotz allem ließ mir meine Neugierde keine Ruhe und er war der klügste Mensch, den ich kannte. Nach der Messe wartete ich geduldig ab, bis alle anderen die Kirche verlassen hatten und nur noch Vater Johannes im Altarraum beschäftigt war. Ich machte einen kurzen Kniefall vor dem Altar und fragte dann ehrerbietig:
„Hochwürden, darf ich Ihnen e Froch stelle?“
Er stand mit dem Rücken zu mir und tauschte Kerzen aus, erkannte mich aber wohl an der Stimme.
„Wat möchtest do wesse, Gereon?“
„Wat sin dat unger d’r Stadt för Tunnel?“
Er antwortete gelassen, ohne sich umzudrehen, und erklärte in wenigen Sätzen, dass sie von vielen Herrscherfamilien der Römer im vergangenen Jahrtausend erbaut worden waren – als Zu- und Abwasserkanäle, Fluchttunnel, Katakomben und zu allerlei anderen Zwecken. Interessant zwar, doch mir half das noch nicht weiter, zumal ich mit dem Begriff „Römer“ nur wenig anfangen konnte.
„Wunnt dort jümmes?“
Nun wandte er sich doch um, musterte mich kurz und erwiderte dann mit ungewohnter Bestimmtheit:
„Secher nit.“
Auch das war wenig zufriedenstellend.
„Jeiht do unge irjenetwas vör sich?“
Ich hatte den Eindruck, außerordentlich naiv zu klingen, doch plötzlich hatte ich seine ganze Aufmerksamkeit. Vater Johannes zögerte einen Moment, dann bedeutete er mir in die Kirchenbank hineinzurutschen und setzte sich daneben. Eine ganze Weile saßen wir schweigend nebeneinander – ich hatte zu viel Respekt vor ihm, um ihn weiter mit meinen Fragen zu löchern. Dann erzählte er mir eine seltsame Geschichte: Vor 900 Jahren und mehr seien die Urchristen durch heidnische Kaiser und Priester verfolgt und furchtbaren Grausamkeiten unterworfen worden. Viele von ihnen waren geflohen oder hatten sich verstecken müssen. Einige von ihnen hatten sich auch dort unten in den Tunneln verborgen, um ihren Häschern zu entgehen. Es war ihnen jedoch nicht gelungen.
„Un deshalb sein se no emme noch als Jeister dort?“, fragte ich erschrocken, er allerdings schüttelte sofort energisch den Kopf:
„Natörlich nit. Se sein d’r ehrenvollen Dut d’r Märtyrer jestorbe! Der römischen Soldaten han se ermordet un d’r Här hät se ze sich ins Himmelrich jenomme!“
Damit entließ er mich, sein strenger Blick duldete keine weiteren Fragen. Ich bedankte mich und lief nach Hause, sowohl beunruhigt als auch irritiert. Vater Johannes musste selbstverständlich recht haben. Daher kannte ich auch die Kleidung der Gestalten – sie ähnelte denen, die die Figuren auf den Bildern in der Kirche trugen. Doch was hatte ich gesehen? Keine Geister? Oder waren vielleicht nur die Römer Geister, weil sie ein solches Verbrechen begangen hatten? Vater Johannes hatte noch hinzugefügt, dass diese Urchristen, unsere heiligen Vorfahren, gar keine Geister sein konnten, denn ihre Seelen hätten keinerlei Sünde auf sich geladen. Vielleicht hatte ich mir all das bloß eingebildet? Was aber hatte dann der kleine Weißhaarige gesehen? Denn er hatte etwas gesehen, das war seinen Worten unzweifelhaft zu entnehmen gewesen. Oder es waren ganz andere Leute dort unten? Ich wurde nicht schlau daraus – an meinem Entschluss änderte das allerdings nichts, eher im Gegenteil.
Also erwarb ich noch zwei Laibe Brot und beschloss, die kommenden sechs Tage in meinem Versteck zu verharren. Nur je einmal in der Nacht würde ich hinausgehen, um eine frische Kanne Wasser zu holen. Gesagt, getan. Die ersten beiden Tage fiel mir das alles andere als schwer, denn es ging beständiger, eisiger Regen hernieder, gemischt mit Graupeln. Also blieb ich eingerollt wie ein Igel in meiner Tonne, träumte vor mich hin und sinnierte über eine bessere Zukunft.
Im Sommer hatte ich einige Mal bei einem Tuchhändler ausgeholfen und dabei versucht, mich möglichst geschickt und fleißig anzustellen. Anscheinend hatte ich einen guten Eindruck hinterlassen, denn am Ende hatte er mich gefragt, ob ich lesen und schreiben könne. Ich hatte zu meinem Leidwesen verneinen müssen, jedoch wahrheitsgemäß erklärt, dass ich dafür gut zählen könne. Er hatte abschätzend den Kopf gewiegt und dann gemeint, dass er vielleicht im nächsten Jahr etwas für mich zu tun habe, wenn ich noch unter den Lebenden weilte. Das war eine verlockende Aussicht, also hoffte ich, ihn im kommenden Frühjahr wieder auf dem Markt anzutreffen, und natürlich auch, dass er sich an mich erinnerte.
So vertrieb ich mir die Zeit und flickte derweil mein Gewand mit einem alten Faden aus verdrilltem Stroh – es hatte es mehr als nötig. Nachts schlich ich den kurzen Weg zum nächstgelegenen Brunnen, zog mir einen Eimer Wasser hinauf und schlich ebenso vorsichtig wieder zurück, immer auf der Hut vor der Stadtwache. Ich hatte aus gutem Grund auch sonst für einen kleinen Vorrat Reisig und Feuerholz gesorgt, sodass ich mir nun abends ein wenig die Füße wärmen und einen Topf Wasser erhitzen konnte, der die Kälte linderte. Dazu war es schon früher bei meiner Familie üblich gewesen, dass sich jeder zum Abend einen großen Stein in die Nähe des Feuers legte, um ihn später mit ins Bett zu nehmen. Etwas Wohligeres konnte ich mir auch jetzt noch nicht vorstellen.
Am fünften Abend hatte mich die Langeweile fest im Griff. Stundenlang trottete ich in dem kleinen Hinterhof auf und ab wie die Kuh im Stall. Vor zwei Tagen wäre die letzte Verabredung am Treffpunkt gewesen, zu der ich nicht erschienen war. Das Brot würde noch bis morgen reichen. Ich beschloss, danach einen weiteren Tag abzuwarten und mich dann wieder hinauszuwagen, wenigstens um einen neuen Laib zu erstehen und mir die Beine zu vertreten.
Mittlerweile schien auch die Sonne wieder, nach Einbruch der Dämmerung jedoch lag weißer Reif über der ganzen Stadt und in der Früh fand ich ihn in meinen Haaren. In der kommenden Nacht trat ich bibbernd den Weg zum Brunnen an. Immer wieder blickte ich mich angstvoll um, doch von der Stadtwache oder anderem gefährlichen Gesindel war weit und breit nichts zu sehen. Trotzdem biss ich die Zähne zusammen, als ich den Eimer unter heftigem Quietschen in den Schacht hinabließ.
Ich hatte ihn gerade wieder hochgekurbelt und erleichtert auf dem gemauerten Rand abgestellt, um meine Kanne zu füllen, als ich kaltes Eisen im Nacken spürte. Augenblicklich erstarrte ich.
„Do dachtest wal, do haust esu effe af.“, vernahm ich Otts zornige Stimme hinter mir – ich hatte ihn nicht kommen hören. Es stand außer Frage, was ich zu erwarten hatte. Im Geiste ratterte ich todesgewiss das Paternoster herunter. Ott hinter mir lachte allerdings plötzlich:
„Piss dich nit a. Do küss met.“
Ich hatte wohl kaum eine andere Möglichkeit, also folgte ich ihm wie der Delinquent zum Schafott. Anstatt mir aber im nächsten Hauseingang die Kehle durchzuschneiden, schob Ott mich keine halbe Straße weiter in eine Ruine und gebot mir, mich zu ducken. Dort warteten wir das Morgengrauen ab und verließen die Stadt kurz danach durch das Hahnentor. Ich hatte immer noch eine Heidenangst, dass er mich beseitigen wollte, und schielte verzweifelt zu den Wachen herüber, doch sie würdigten meine schäbige Gestalt keines Blickes. Entgegen meiner Befürchtungen ließ er jedoch den Abend hereinziehen und wir liefen schließlich bloß zu der bereits bekannten Scheune. Dort ging alles sehr schnell. Schicksalsergeben stieg ich hinab und nahm Gefäß und Lampe entgegen.
„Es dat letzte Ens!“, rief Ott mir noch hinterher – immerhin das eine Erleichterung.
Unten gab ich mir Mühe, an nichts zu denken, doch es gelang mir nicht. Ein wenig hatte ich gehofft, dass es nun zumindest trockener sein würde, aber das Gegenteil war der Fall. Die Wände waren schwarz und schleimig, der Boden voller Moder. Obwohl ich vor Kurzem hier gewesen war, erkannte ich nichts wieder, lief stets bis zur nächsten Abzweigung und folgte den Zeichnungen. Ein ums andere Mal blieb ich stehen und lauschte nervös, doch es war totenstill. Im Schneckentempo schlich ich weiter, so angespannt, dass bald jeder Muskel schmerzte. Dazu musste ich meine Schritte mit Bedacht setzen, weil ich auf dem schmierigen Boden beständig auszurutschen drohte. Die Luft fühlte sich feucht, dick und schwer an, nur mühsam hielt ich die kleine Laterne am Brennen.
Dann folgte ein enger Korridor, so schmal, dass ich ihn mit beiden Schultern streifte. War das letztes Mal auch so gewesen? Ich konnte mich nicht daran erinnern! In dem Moment berührte etwas meine Stirn. Es fühlte sich an wie Haut, ich schrie auf, riss die Lampe hoch und sah mich plötzlich umgeben von krallenbewehrten, flatternden, rasenden Wesen, über mir, vor mir, hinter mir, sie füllten jeden Fingerbreit Luft.
Ich glaubte, verrückt zu werden, schrie weiter, schlug mit den Armen um mich, rannte blindlings los, geradeaus, um diese und jene Kurve, strauchelnd, mich fangend, nur weg von all den Flügeln und grässlichen Lauten! Als ich endlich wieder zum Stehen kam, musste ich mich vor Erschöpfung an die Wand lehnen, rang um Atem und hatte keinen blassen Schimmer, wie lang und wie weit ich gelaufen war. Immerhin brannte wie durch ein Wunder das Talglicht noch.
Erst langsam sickerte die Erkenntnis in mein Bewusstsein, dass ich nicht mehr die geringste Ahnung hatte, wo ich mich befand. Panisch hielt ich nach einer rettenden Kohlemarkierung Ausschau, doch da war nichts: Ich hatte mich vollkommen verlaufen! Wie weitläufig war das hier unten? Konnte ich verhungern und verdursten? Wie ein Gewitter senkte sich das Entsetzen auf meine Seele herab. Verzweifelt ging ich in die Hocke, umklammerte meinen Körper, schaukelte hin und her und zwang mich ruhig zu atmen.
Ich musste nachdenken. So groß konnte das gar nicht sein. Ich war ein guter Läufer. Wenn ich immer weiterging, musste ich früher oder später an eine der Markierungen gelangen. Schließlich atmete ich noch einmal tief durch, wischte mir die Tränen von den nassen Wangen und machte mich, am ganzen Leib zitternd, erneut auf den Weg. Langsam wurde ich dabei ruhiger. Ja, ich hatte mich verlaufen, aber es war nichts Schlimmes geschehen. Ich musste einfach nur vorwärts gehen.
Eine Zeitlang ging das gut, dann aber hörte ich erneut etwas. Furcht fuhr mir durch die Glieder und kaum war ich um die nächste Ecke gebogen, sah ich mich urplötzlich einem halben Dutzend blutrünstiger, bewaffneter Männer gegenüber. Die Soldaten! Ich drehte mich um und sprintete kopflos in irgendeinen Tunnel, hinter mir klirrten Rüstungen, Sandalen stampften durch den Schlamm, es erklang Gebrüll. Ich rannte, was ich konnte, es ging steil abwärts, ich betete, dass es keine Sackgasse war. Und dann fiel ich. Instinktiv bemühte ich mich, den wertvollen Topf mit meinem Körper zu schützen. Alles rauschte an mir vorbei, ich kniff die Augen fest zusammen, schließlich kam ich hart unten auf. Sekundenlang blieb ich einfach nur still sitzen und wartete auf den Schmerz.
Zu meiner Überraschung stellte sich dieser jedoch nur in erträglichen Maßen ein – ich schien Glück gehabt zu haben – und so hob ich langsam die Lider. Ich hockte auf einem etwas erhöhten Absatz in einer kleinen Kammer, die vor mir eine Biegung zu machen schien. Von dort aus sah ich flackernden Lichtschein. Kurz geriet ich in Panik, weil ich glaubte, auf noch mehr Soldaten gestoßen zu sein. Doch ich stellte schnell fest, dass dort zumindest keiner schrie, stattdessen hörte ich gedämpftes Murmeln und etwas, das wie das Stöhnen eines Verwundeten klang. Jedenfalls schien meine ungewöhnliche Ankunft unbemerkt geblieben zu sein, denn es kam niemand. Zu meiner leisen Begeisterung hatte sogar das unverwüstliche Talglicht meinen Absturz überstanden – das Letzte, was ich wollte, war, in diesen labyrinthischen Gängen im Dunkeln zu stehen.
Vorsichtig lugte ich um die Ecke. Ich hatte mit fast allem gerechnet, doch der Anblick, der sich mir bot, überstieg mein Vorstellungsvermögen bei Weitem: Ich stand in einem runden, kapellenartigen Gewölbe mit hoher Decke, dessen Mitte ein wuchtiger, quadratischer Stein einnahm, der mich sofort an einen Altar erinnerte. Im Raum verteilt, bemerkte ich zwei Handvoll Männer und Frauen an den Wänden kauernd, unter den zerschlissenen Gewändern Körper offenbarend, gegen die der meine wohlgenährt gewirkt hätte.
Augenblicklich wurde mir klar, dass es sich hier um die Urchristen handeln musste – sie waren also doch nicht von den Soldaten ermordet worden! Was aber taten sie hier? Denn sie sahen fraglos grauenvoll aus, Skelette mit tief liegenden Augen und pergamentener, von Geschwüren gezeichneter Haut. Mein Blick wanderte weiter und ich entdeckte den Türbogen – oder auch das, was einmal die Tür gewesen war. Nun aber war sie mit dicken Wackersteinen vermauert, deren Oberfläche von blutigen Kratzspuren übersäht war.
Ich blickte genauer hin. In einer Ecke lagen zwei kleine, blutige Haufen. Die Männer und Frauen jedoch hielten Objekte in den Händen, knochige, sehnige Objekte, an deren Fetzen sie unablässig nagten. Grauen überkam mich, als einer der Männer aufstand, mit beiden Händen einen verstümmelten Kopf umklammernd. Einen sehr kleinen Kopf, an dem er beständig mit den Zähnen schabte. Er stierte mich aus irr gewordenen Augen an und begann auf mich zuzuwanken. Auch die anderen erhoben sich nun nach und nach, um auf mich zu zu taumeln. Ich glaubte, den Verstand verlieren zu müssen, stolperte rückwärts in den Winkel zurück, aus dem ich gekommen war, und warf einen hastigen Blick nach oben. Die Jahrhunderte hatten Ritzen und Spalten in die Wand gekerbt, doch selbst jetzt wäre es auch für einen geschickten Kletterer wie mich eine Herausforderung. Keine Ahnung, ob ich das schaffen konnte – ich musste.
Entschlossen begann ich zu klettern, suchte mit Fingern und Zehen Halt in den winzigen Fugen und Vorsprüngen, das Entsetzen verlieh mir ungeahnte Kräfte. Stemmte mich hinauf, den Henkel des Talglichts mit den Zähnen umklammernd, den Honigtopf unter dem Gewand. Der schaurige Mann war mittlerweile bis zur Ecke gelangt, ich konnte ihn keuchen hören und zog mich in einem letzten Akt der Verzweiflung hinauf – seine eisige Hand streifte meinen Knöchel. Dann hatte ich es tatsächlich geschafft.
Im Nachhinein konnte ich mich an die folgenden Stunden kaum erinnern. Ich war weitergerannt, bis ich eine Zeichnung gefunden hatte und schließlich zur Treppe gelangt war. Am Ende meiner Kräfte torkelte ich schließlich hinaus, überließ den Wartenden das Gefäß und sackte auf dem Boden zusammen. Die Dämmerung brach bereits herein. Gefragt, was passiert sei, brachte ich bloß ein verstörtes „Nix!“ heraus. Die Männer flößten mir ein Bier ein, dann entließen sie mich. Langsam schwankte ich zurück zu meinem Unterschlupf, die drei Kreuzer wie einen Schatz an meine Brust gepresst. Märtyrer ohne Sünde also. Diesen Gedanken wurde ich nicht mehr los.